Abteilung Archäobiologie
 Archäozoologie
   
 


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Vorsteher der archäozoologischen Abteilung:


Prof. Dr. Jörg Schibler


Oberassistentin:

Dr. Heidemarie Hüster Plogmann


Wissenschaftliche MitarbeiterInnen:

Dr. Sabine Deschler-Erb
Dr. des. Richard Frosdick
Dr. des. Francesca Ginella
Dr. des. Elisabeth Marti-Grädel
Dr. des. Marguerita Schäfer
Dr. Barbara Stopp


DoktorandInnen:

Miki Bopp-Ito
Simone Häberle




Schwerpunktforschung
    • Neolithische Umwelt und Wirtschaft

    • Es wird eine Synthese der archäozoologischen Primärdaten für das schweizerische Neolithikum sowie deren Auswertungen in Bezug auf Wirtschaft und Umwelt angestrebt. Durch interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Archäobotanik und Archäologie werden die anthropogenen Veränderungen in der neolithischen Umwelt herausgearbeitet sowie deren Auswirkungen auf die wirtschaftlichen Entwicklungen in dieser Epoche untersucht. Diese paläoökologischen Ergebnisse sind ein wesentlicher Bestandteil zur Rekonstruktion der Umweltgeschichte. 
      Die Ergebnisse geben ebenfalls wichtige Aufschlüsse über die Entwicklung schützenswerter Kulturlandschaften und Entscheidungshilfen bei der Entwicklung aktueller Umweltschutzszenarien.
       
    • Umwelt und Wirtschaft in Neolithikum und Bronzezeit der Schweiz und Süddeutschlands

    • Durch die ausgezeichneten Erhaltungsbedingungen der Seeufersiedlungen ergeben sich in der Schweiz und in Süddeutschland die weltweit besten Voraussetzungen für umwelt- und wirtschaftsgeschichtliche Untersuchungen. Speziell werden die durch den Menschen hervorgerufenen Umweltveränderungen sowie die Abhängigkeiten der Kultur- und Wirtschaftsgeschichte von der Klimageschichte untersucht. 
      Die in diesem Projekt erarbeiteten Ergebnisse zeigen eine grössere Abhängigkeit des prähistorischen Menschen von kurzfristigen Klimaschwankungen auf als dies bisher vermutet wurde. Die Ergebnisse haben grosse Konsequenzen für die archäologischen und archäobiologischen Forschungen im Bereich der Trockenbodenfundstellen, welche ungleich schlechtere Erhaltungsbedingungen aufweisen. 
      Praktische Anwendungen finden die Ergebnisse des Projektes in der Umweltforschung, welche zunehmend umweltgeschichtliche Erkenntnisse in ihre Betrachtungen und Zukunftsszenarien einbindet. 
       
    • Viehwirtschaft und Versorgungslage in spätkeltischer und römischer Zeit in der heutigen Schweiz

    • Ausgehend von der hohen Untersuchungsdichte in der Nordwestschweiz soll versucht werden mit Hilfe archäozoologischer Daten die Wirtschaftsgeschichte der keltischen und der provinzialrömischen Bevölkerung der Schweiz zu rekonstruieren. Insbesondere interessiert der wirtschaftliche Wandel während der Romanisierung. Neu können immer häufiger römische Gutshofkomplexe in der Schweiz (Kantone Zürich, Solothurn und Luzern) mit in die Betrachtungen einbezogen werden. Diese geben uns Aufschluss über das römische Versorgungssystem. 
      Wirtschaftsgeschichtliche Ergebnisse sind insbesondere für den kulturgeschichtlich wichtigen Zeitabschnitt der Romanisierung von besonderem Interesse. Alte, keltische Versorgungssysteme werden zum Teil umgestossen und neue Wirtschafts- und Versorgungsformen entstehen. Diese Vorgänge können nicht ausschliesslich durch traditionelle archäologische Untersuchungen dokumentiert werden, sondern verlangen immer mehr nach naturwissenschaftlichen-archäobiologischen Analysen. Erst die Synthese der Ergebnisse aus kultur-, wirtschafts- und umweltgeschichtlichen Untersuchungen ermöglicht die Rekonstruktion der tatsächlichen Lebensumstände der keltischen und römischen Bevölkerung. 
      Unsere Ergebnisse finden Eingang in populärwissenschaftliche Publikationen und Schullehrmittel und helfen so, den heranwachsenden Generationen ein möglichst realistisches Geschichtsbild zu vermitteln. 
       
    • Römische Haustierhaltung und ihre wirtschaftliche Bedeutung

    • Ausgehend von der römischen Stadt Augusta Raurica (Augst BL) wird durch die archäozoologische Untersuchung der Schlacht-, Speise- und Werkabfälle die Bedeutung der Haustiere in der römischen Schweiz untersucht. Betrachtet werden chronologische wie auch regionale Unterschiede. Zusätzlich werden vor allem auch verschiedene Siedlungstypen wie Städte, Dörfer oder militärische Anlagen als primäre Orte der Konsumation sowie Gutshöfe als Orte der Produktion bei den Vergleichen berücksichtigt. Innerhalb dieser Fundstellen gilt es schliesslich noch die sozialen Unterschiede der Bewohner zu berücksichtigen. 
      Archäozoologische Ergebnisse über den Stand der Haustierhaltung, der Produktion von Nahrungsmitteln sowie deren Vetrieb erbringen wesentliche Beiträge zur Kenntnis des wirtschaftlichen Lebens der provinzialrömischen Schweiz, welche auch für das Verständnis der kulturgeschichtlichen Entwicklung in dieser Epoche Voraussetzung sind. 
       
    • Wirtschaft, Ernährung und Umwelt vom Frühmittelalter bis in die Neuzeit 

    • Die zunehmend zahlreicher werdenden Untersuchungsmöglichkeiten an frühmittelalterlichen Tierknochenkomplexen erlauben uns die Beschreibung der wirtschafts- und ernährungsgeschichtlichen Entwicklungen in der Schweiz nach der römischen Okkupation. Anhand der Tierknochen lässt sich nicht nur die allgemeine Versorgungssituation der früh-, hoch- und spätmittelalterlichen Bevölkerung rekonstruieren, sondern es lassen sich auch soziale Unterschiede bei der Nahrungsversorgung feststellen. Mit dem Einbezug von neuzeitlichen Komplexen ergibt sich die Chance, wirtschaftliche Veränderungen, welche im Zuge der Industrialisierung der Landwirtschaft erfolgten, auch archäozoologisch zu fassen. 
      Wirtschaftsarchäologische Ergebnisse sind für die Mittelalterarchäologie von besonderer Bedeutung und vermitteln neben wirtschaftshistorischen, ausschliesslich auf schriftlichen Quellen basierenden Ergebnissen eine zusätzliche Informationsquelle für die Rekonstruktion der mittelalterlichen Lebensumstände. Die Verknüpfung von Ergebnissen der wirtschaftsarchäologischen und der historischen Forschung ist die unbedingte Vorraussetzung einer möglichst realistischen Geschichtsschreibung. 
       
    • Archäozoologische Untersuchungen von Fischknochen aus prähistorischer und historischer Zeit

    • In Aufbau befindet sich eine systematische Datenbank über Fischreste und deren Bestimmungsergebnisse für die verschiedenen prähistorischen Epochen der Schweiz. Einen ersten Schwerpunkt bilden die neolithischen und bronzezeitlichen Seeufersiedlungen, die Entwicklung einer möglichst effizienten Probeentnahmemethodik und die Erarbeitung paläoökologischer Daten für das Neolithikum (Artenzusamensetzung, Grösse der Arten, Wasserqualität). In Zusammenarbeit mit BUWAL, Universität Zürich (Prof. V. Ziswiler) und University Laval (Quebec, Kanada) werden DNA-Analysen prähistorischer Fischreste (Bodensee) zur Abklärung der Phylogenie der Felchenrassen benutzt. 
      Die Untersuchung der Fischreste ermöglichen neue Erkenntnis zur Gewässernutzung und zur Gewässerqualität in prähistorischer Zeit. 
      Die Kenntnis der prähistorischen und historischen Entwicklung der Fischfauna, Fischnutzung und Gewässerqualität wird allmählich wesentlicher Bestandteil von Forschungsprojekten über den aktuellen Zustand und die Schutzmöglichkeiten unserer Gewässer. Eine Zusammenarbeit mit BUWAL und vor allem kantonalen Fischereiämtern ist im Gange. 

      Die geringe Grösse und die schlechten Erhaltungschancen von Fischknochen sind ursächlich dafür verantwortlich, dass die Aussagemöglichkeiten dieser Fundgruppe in der bisherigen Forschung - insbesondere in der Schweiz - völlig unterschätzt wurde. Dem begegnen wir nun mit systematischen Analysen kleinster Fischreste aus Bodenproben und (grösseren) handaufgenommenen Fischknochen mit dem Ziel, die Bedeutung des Fischfangs für die Ernährung in den verschiedenen prähistorischen und historischen Epochen abschätzen zu können. Der Fischfang war mit Sicherheit ein wirtschaftlicher Faktor und gleichzeitig ein Proteinpotential, das in seiner Bedeutung erst in Ansätzen deutlich wird. 
      Darüberhinaus lassen die Fischreste aber auch Aussagen zur Gewässerqualität (Eutrophierungsgrad) und damit Aussagen zur prähistorischen und historischen Umweltentwicklung der Fluss- und Seeregionen zu. Derartige Aussagen dokumentieren sich zum einen durch unterschiedliche Artenzusammensetzungen, andererseits kann die Wachstumsentwicklung von Fischen an verschiedenen Skeletteilen und an Schuppen aufgrund von messbaren, jährlich angelegten Zuwachsstreifen sowie absoluten Skleletteilmassen metrisch abgeschätzt werden. Ein Vergleich der Grössenentwicklung von prähistorischen und modernen Fischen lässt Rückschlüsse auf das Nahrungsangebot in einem Gewässer zu, was wiederum Schlüsse auf den Eutrophierungsgrad und dessen Entwicklung bis in die heutige Zeit ermöglicht. 
      Insgesamt erwarten wir mit der laufenden Zunahme an neuen Fischresten aus aktuellen Grabungen zusammen mit allen anderen Fundgruppen eine umfassendere und realistischere Rekonstruktion  der Wirtschaft, Ernährung und Umwelt vergangener Epochen. 
       

    • Knochen, Geweih und Zahn (Elfenbein) als Werkstoff für Werkzeuge und Schmuck

    • Bein stellt in prähistorischer, römischer und historischer Zeit einen wichtigen Rohstoff dar. Im Zentrum dieses Forschungsschwerpunktes steht die Rohmaterialwahl, das Rohstoffmanagement, die Technologie (experimentelle Archäologie), die Typologie und die Chronologie von Beinartefakten. Chronologisch stehen zur Zeit die Jungsteinzeit und die römische Epoche im Vordergrund. Im Zusammenhang mit der Rohstoffwahl erlangt die osteologische Bestimmung der Artefakte eine grosse Bedeutung (vgl. Schibler 1997 „Ökologie und Ökonomie“ und Deschler 1998 „Beinartefakte Augst“). Hierzu wurden zerstörungsfreie Bestimmungmethoden entwickelt. 


Projekte

Ein Teil der archäozoologischen Auswertungs- und Forschungsprojekte findet sich chronologisch aufgelistet auf der Seite "Forschung". 

Seit 2007 sind wir an einem internationalen Forschungsprojekt in Österreich beteiligt. Das Projekt "HiMAT" untersucht die Geschichte des Bergbaus in Tirol und angrenzenden Gebieten und die Auswirkungen auf Umwelt und menschliche Gesellschaften.




Hinweise zur Probenentnahme

Hinweise zur Probenentnahme von archäobotanischem Material (Merkblatt aus: Archäologie der Schweiz Vol. 22 (1), 1999, ergänzt)

Anleitung zur Probenentnahme (ausführliche Version)