Abstracts

  Literatur

1999 1998 1997 1996

    1999

  1. Christoph Brombacher (1999): La cité de La Neuveville sur la rive sud-ouest du lac de Bienne (canton de Berne, Suisse): l'histoire du paysage médiéval révélée par l'étude des macrorestes végétaux

  2. Aus einem im Grundwasserbereich gelegenen Sedimentprofil von La Neuveville, welches spätrömische bis hochmittelalterliche Sedimente enthielt, wurden aus sechs Horizonten die Makroreste analysiert. Diese zeigen uns, dass es sich bei den vorliegenden Sedimenten durchwegs um Ablagerungen aus dem limnischen Bereich handelt. Der Einfluss anthropogener Aktivität in den einzelnen Horizonten ist unterschiedlich. Vor allem im unteren-mittleren Teil des Profils kann aus der grossen Zahl von Kulturzeigern wie auch einem hohen Anteil von organischem Detritus des Sedimentes eine Besiedlung in unmittelbarer Ufernähe angenommen werden. In den beiden späten Horizonten ist hingegen keine Besiedlung in unmittelbarer Ufernähe mehr nachweisbar. An Kulturpflanzen sind makrorestanalytisch die beiden Getreidearten Einkorn und Dinkel sowie Lein und Hanf belegt. Bemerkenswert sind die vielen Nachweise von Traubenkernen, welche auf einen frühen Weinbau am Bielersee hinweisen. Als weitere Kulturpflanze ist die Walnuss nachgewiesen, deren Kultivierung auf die römische Besiedlung in unserem Gebiet zurückgeht.

    Summary
    Macroremains were analysed from six levels of a sediment profile at the water table at La Neuveville (Lake Biel) that contained late Roman to high-middle age sediments. These remains show that the sediments arise exclusively from sedimentation from the limnal zone. The influence of human activity in the different levels varies. The situation of a settlement close to the shore can be assumed particularly in the lower-middle levels of the profile on the basis of the large number of cultural remains and the high level of organic detritus found in the sediments. In contrast, in the two more recent levels, evidence of a settlement close to the shore is no longer detectable. Of crop plants, evidence is found for the cereals einkorn and spelt, and also for flax and hemp. Of importance are the large number of grape pips which indicate that wine production began early in the Lake Biel region. Walnut was also identified as a cultivated plant, the cultivation of which originated during the Roman occupation of this area.

  3. M. Petrucci-Bavaud (1999): Archäobotanische Untersuchungen im Bereich der Herdstelle in Raum B6 und von Gruben in Raum B11.

  4. Aus einer Grabung im Areal der Insula 1 in der römerzeitlichen Stadt Augusta Raurica (Kanton Basellandschaft, Schweiz) wurde archäobotanisches Material von einer Herdstelle aus der 1. Hälfte des 2. Jahrhunderts untersucht. Die 3 Proben enthielten verkohlte, z. T. schlecht erhaltene Diasporen. Die Funddichte war sehr gering (<3 Reste/Liter). Die wenigen Funde ergaben trotzdem ein breites Artenspektrum. Unter den Speisepflanzen befanden sich Gerste (Hordeum vulgare), Emmer (Triticum dicoccon), Dinkel (Triticum spelta), Roggen (Secale cereale), Rispenhirse (Panicum miliaceum), Einkorn oder Emmer (Triticum monococcum/dicoccon), Linsen (Lens culinaris), Ackerbohne (Vicia faba, unsicher bestimmt) sowie Feigen (Ficus carica), Walnüsse (Juglans regia) und Haselnüsse (Corylus avellana). Neue Funde für Augst waren Feigenkerne und Walnussschalen. Die verschiedenen Taxa zeigen, wie abwechslungsreich die Ernährung der Bevölkerung in Augst gewesen sein musste. Aussagen über bevorzugte Esswaren und ihre Zubereitungsart oder Anbau können keine gemacht werden. Die wenigen vorhandenen Getreideunkräuter lassen vermuten, dass das Erntegut vor der Zubereitung sehr gut gereinigt wurde. Obschon die Möglichkeit besteht, dass die Grünlandarten als Ackerunkräuter auf den Feldern wuchsen, deuten einige gute Futter- und Trittpflanzen auf die Herkunft aus Wiesen und Weiden hin. Die Wahrscheinlichtkeit, dass Heu als Anfeuerungsmaterial oder als Isolationsmaterial der Häuser Verwendung fand, ist sehr gross.

    Summary
    For an archaeobotanical investigation three samples from a fireside were collected from the excavation in Insula 1, a site located in the centre of the Roman town Augusta Raurica (Kanton Basel-Landschaft) in Switzerland. The three samples are dated to the first half of the second century AD and contained carbonised seeds. The density of the seeds in the sediments was very low (<3 seeds per litre). In spite of the generally poor preservation of the plant remains a wide range of species was present. A variety of food plants was found: barley (Hordeum vulgare), emmer wheat (Triticum dicoccon), spelt wheat (Triticum spelta), rye (Secale cereale), common millet (Panicum miliaceum), einkorn or emmer wheat (Triticum monococcum/dicoccon), lentils (Lens culinaris), probably beans (Vicia faba), figs (Ficus carica), walnuts (Juglans regia) and hazelnuts (Corylus avellana). New records for Augusta Raurica are figs and walnuts. The species show clearly how rich the diet must have been for the inhabitants of the town. However, statements about favoured food, cooking or cultivation can not be made. The harvest must have been cleaned very carefully before cooking because only few arable weeds were present. Although the grassland plants could have grown as arable weeds on the fields, the presence of good grass-fodder plants and species characteristic of trampled areas suggest that they originate from grassland habitats. Hay might have been used for kindling or as insulating material in the houses.

    Die Holzkohlengruben
    Summary
    Archaeobotanical remains from three pits in Insula 1, a site located in the centre of the Roman town Augusta Raurica (Kanton Basellandschaft) in Switzerland, was analysed. The four investigated samples are dated to the 1./2. century AD and contained mainly charcoal. The density of the seeds in the sediments was low (max. 16 seeds per litre). Only few seeds were found. Some food plants, which are already known from the Roman period in Augusta Raurica were attested: barley (Hordeum vulgare), emmer wheat (Triticum dicoccon), walnuts (Juglans regia), hazelnuts (Corylus avellana) and figs (Ficus carica). Furthermore some wild plants were found, too: brown cyperus (Cyperus fuscus), persicaria (Polygonum persicaria-Typ), ribwort (Plantago lanceolata), dock (Rumex spec.) and bedstraw (Galium spec.). Each sample contained some food plants, which must have been brougt in by man. The wild plants could have grown in the environment. The few species allow no statements about the sites where the plants come from nor how they were cultivated. Nothing about environmental conditions can be sayed either. Finally no clear differences between the pits can be established. As the pits were filled with more or less pure charcoal they cannot have been used for cooking nor for any rituals with wild plants. After all the few plant remains must have fallen in the pits by chance. What kind of function the pits had is still unclear. The archaeobotanical investigation gives no possible explanation for their use. Perhaps charcoal analyses can help to find an answer.

  5. Angela Schlumbaum & Robert Blatter (1999): Gene aus der Vergangenheit

  6. Neben handfesten archäologischen Artefakten oder biologischen Makroresten wie Knochen und Pflanzenteile, enthalten auch Moleküle Informationen aus der Vergangenheit, die mit geeigneten Methoden ans Licht gebracht werden können. Ein Beispiel sind die Untersuchungen von Deoxyribonukleinsäure (DNS), dem Träger der Erbinformation. DNS aus archäologischem Material (aDNS) ist stark fragmentiert und nur in sehr kleinen Mengen vorhanden. Die Schlüsselmethode zu ihrem Studium ist die Polymerase-Ketten-Reaktion, in der wenige Kopien aus dem Ausgangsmaterial millionenfach vermehrt und die genetische Information nach dem Sequenzieren studiert werden kann. aDNS Studien eröffnen viele neue Perspektiven in der Archäologie, z.B. Geschlechtsbestimmungen, Verwandtschaftsanalysen, Identifikation von menschlichen Individuen, Krankheiten, Abstammung und Herkunft von Organismen oder Populationen. Es wurde vorgestellt, wie an archäologischen Funden die Unterscheidung von Schaf und Ziege oder die Identifikation von Genomen in morphologisch unbestimmbaren Nacktweizenkörnern mit genetischen Methoden bearbeitet wird. Viele Projekte beschäftigen sich mit der Analyse von aDNS aus archäologischen Funden mit unterschiedlichem Erhaltungszustand und aus bis zu mehreren tausend Jahren alten Kulturschichten (Biomolekulare Archäologie).

  7. Ch. Brombacher & A. Rehazek (1999): Ein Beitrag zum Speisezettel des Mittelalters: Archäobiologische Latrinenuntersuchungen am Beispiel der Stadt Schaffhausen

  8. In den letzten 15 Jahren wurden in der Stadt Schaffhausen eine grosse Zahl mittelalterlicher Latrinen ausgegraben, die ins 11. bis 16. Jahrhundert datieren. Analysen von pflanzlichen und tierischen Resten aus diesen Abfall- und Fäkalienschichten geben Einblicke in die Essgewohnheiten und das soziale Umfeld der mittelalterlichen Stadtbewohner. Zwischen den einzelnen Latrinen bestehen deutliche Unterschiede hinsichtlich ihrer jeweiligen Spektren der Tier- und Pflanzenarten. Diese lassen sich einerseits auf soziale Unterschiede zurückzuführen, andererseits sind aber auch chronologische Tendenzen feststellbar.

  9. Marianne Petrucci-Bavaud und Marcel Veszeli (1999): Ein Essen für die Toten. Fleisch, Brot, Früchte und andere Nahrungsmittel in römischen Brandbestattungen

  10. Durch ganzheitliche Analysen vieler Brandgräber in der Schweiz konnten neben den traditionellen archäologischen Funden viele Nahrungsmittel sowohl pflanzlicher als auch tierischer Art geborgen werden. Es handelt sich dabei um Beigaben von meist guter Qualität. Bei den pflanzlichen Funden reicht das Spektrum von Getreide und Hülsenfrüchten über kultiviertes Obst, Wildfrüchte bis zu Backwaren. Die Fleischbeigaben stammen oft von Haustieren v.a. Schwein oder Huhn, aber auch von einigen wenigen Wildtieren. Durch die Zusammensetzung der Beigaben im Vergleich zu den Toten können Rückschlüsse auf die Verstorbenen, Totenrituale, Bedeutung der Beigaben und Glaubensvorstellungen gezogen werden.

  11. Christoph Brombacher und Elisabeth Marti-Grädel (1999): Landschaft, Ackerbau und Viehzucht im Neolithikum am Bielersee

  12. Die im Laufe des Neolithikums am Bielersee festzustellenden Veränderungen bei den Tierknochen und den Getreidepflanzen sind mit den Beobachtungen am Zürichsee vergleichbar. Nach anfänglich hohen prozentualen Nutztieranteilen ist als Folge einer Klimakrise im 37. Jahrhundert, die sich am Zürichsee auch durch Einbussen bei der Getreideproduktion und den Anstieg an Sammelpflanzen bemerkbar macht, ein Anstieg der Wildtieranteile zu beobachten. Dieser ist auf eine Intensivierung der Jagd (höhere Dichtewerte und Prozentanteile) bei gleichbleibender Nutztierzucht (gleichbleibende Dichtewerte) zurückzuführen. Im Verlauf des 36. Jahrhunderts sinken die Wildtieranteile wieder. Im Spät- und Endneolithikum erreichen die Nutztieranteile sehr hohe Werte (oft über 90%). Die Veränderungen im Nutztierspektrum finden ebenfalls Parallelen in der östlichen Schweiz. Die zu Beginn hohen Wiederkäueranteile werden um 3200 v. Chr. durch eine intensive Schweinehaltung zurückgedrängt. Im Verlaufe des dritten Jahrtausends nehmen die Anteile der Wiederkäuer, insbesondere des Rindes, wieder zu. Im Gegensatz zur östlichen Schweiz ist die Schaf- und Ziegenhaltung am Bieler- und Neuenburgersee - insbesondere in den Nordwestufersiedlungen mit steilem Hinterland-intensiver, was auf die Topographie und Vegetation (Weidemöglichkeiten) zurückzuführen sein dürfte. Die botanischen Untersuchungen zeigen stark unterschiedliche Vegetationsverhältnisse rund um den Bielersee mit Eichenbuschwäldern auf kargem, trockenem Grund am steilen Nordwestufer bis zu stark sumpfigen Bodenverhältnissen am Seeausfluss. Die Entwicklung der Kulturpflanzen zeigt ähnliche Tendenzen wie in der östlichen Schweiz: in der ersten Hälfte des 4. Jahrtausends bilden Nacktweizen und Gerste die wichtigsten Getreidesorten. Flachs und Schlafmohn sind ebenfalls wichtig. Zwischen 3400 und 3200 v. Chr. wird der Nacktweizen zugunsten von Emmer zurückgedrängt, und die Bedeutung von Lein und Schlafmohn nimmt zu. Zu Beginn des 3. Jahrtausends v. Chr. verschwindet der Nacktweizen fast vollständig und macht einer Emmer/Gersten-Dominanz Platz

  13. Margrit Irniger und Marlu Kühn (1999): Obstvielfalt — von wilden und zahmen Früchten im Mittelalter und in früher Neuzeit

  14. Die archäobotanische Auswertung verschiedener, mittelalterlicher Fundstellen hat in den letzten Jahren ein überraschend breites Spektrum an Obstarten zu Tage gefördert. Diese setzen sich zusammen aus Wild- und Kulturformen, wobei die Wildformen im Fundgut oft sogar überwiegen. Das muss bezüglich dem Früchtekonsum aber nicht heissen, dass mehr Wildfrüchte als Kulturobst gegessen wurde. Die Auswertung von Schriftquellen lässt uns erkennen, dass die Bedeutung des Wildobstes vor allem bei den Konservierungsmöglichkeiten lag: gewisse Früchte wie Mispeln, Berberitze oder Holunder sind roh kaum geniessbar, während sie gekocht problemlos gegessen werden können. Bestimmte Inhaltsstoffe verbessern sogar die Konsistenz und Haltbarkeit auch von anderen Früchten, denen sie beigemischt wurden. Der Anbau von Kulturobst ist ab dem 15. Jahrhundert von immer mehr Bauern und Gärtnerinnen betrieben worden. Zu den Apfel-, Birn- und Kirschbäumen kamen neue Arten und ebenfalls mehr Beeren wurden im eigenen Garten gepflegt. Früchtetragende Wildsträucher sind besonders gern in die Hecken gepflanzt worden. Noch wenig Aussagen lassen sich zum Züchtungsstand einzelner Sorten machen, doch sind Grösse, Geschmack und Geruch neben der Lagerfähigkeit bereits im 15. Jahrhundert wichtige Auswahlkriterien gewesen. Anforderungen des Handels und der Märkte — wie möglichst frühe Reife — wirkten sich seit dem Spätmittelalter ebenfalls auf die Sortenwahl aus.
     
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    1998

  1. Favre, Pascal & Jacomet, Stefanie (1998): Branch wood from the lake shore settlements of Horgen Scheller, Switzerland: Evidence for economic specialization in the late Neolithic period.

  2. 596 water-logged, uncarbonized branchwood specimen deriving from four cultural layers of the late Neolithic lakeshore site Horgen Scheller (between 3080 and 3030 B.C.) at the Lake of Zürich, Switzerland, were examined. The following parameters were analysed: taxonomy, diameter and age of the twigs, harvest season, and distribution of the branches over the area as well as their distribution over the different cultural layers. Based on differences observed in these analyses the twigs were divided into the following three groups: conifers, deciduous trees with catkins, and deciduous trees without catkins. Branch diameter examinations revealed that branches of deciduous trees were thicker on average than those of conifers. Whereas branches deriving from deciduous trees without catkins were harvested at the age of seven years on average, those of conifers and deciduous trees with catkins were older. Waney edge analyses showed that the majority of the twigs were cut within the winter months. Among the deciduous trees without catkins there is, however, a markably higher proportion of summer harvested branches than in the other two groups. The taxonomic examinations revealed that 70% of the specimen consisted of twigs of either hazel (Corylus avellana L.), yew (Taxus baccata L.), or silver fir (Albies alba Mill.), thus implying the great economic importance of these species in the settlements of Horgen Scheller. To our knowledge this is the first report that a remarkably high proportion of yew twigs (26.8 %) has been found in an analysis of subfossil twigs. The possibility that the inhabitants of the settlement Horgen Scheller had been specialized in harvesting yew from the backland is discussed. From the analyses of the distribution of the branchwoods over the area concentration centers became evident which could be remains of buildings. In the comparison of the distribution pattern of the taxa in the different cultural layers a very similar composition was found throughout the different cultural layers at the same place of the area. Therefore it seems likely that existing structures were reused when a new settlement was built up. The data also show that the building outlines slowly moved land inwardly over time. A rising lake water level could have led to gradual dislocation of the settlements

    Key words: Branchwood - Yew (Taxus baccata L.) - Late neolithic period - animal foddering - economic specialization.

  3. Angela Schlumbaum, Jean-Marc Neuhaus and Stefanie Jacomet (1998): Coexistence of Tetraploid and Hexaploid Naked Wheat in a Neolithic Lake Dwelling of Central Europe. Evidence from Morphology and Ancient DNA.

  4. Free-threshing wheat was a principal cereal in Neolithic cultures, as shown by the abundance of grains in the archaeological record. However, the morphology of the mainly charred preserved, prehistoric naked wheat grains is not characteristic of either tetraploid, Triticum durum Desf. and Triticum turgidum L., or of hexaploid, e.g. Triticum aestivum L.. We analysed the morphology of charred naked wheat grains originating from a storage assemblage of an Early Cortaillod culture layer (3908-3906 B.C.) at the Lake of Zürich, Switzerland and addressed their identification by molecular genetics. A fragment of the promoter region of the high molecular weight (HMW) subunit genes of glutenin was successfully amplified by the polymerase chain reaction. Sequences obtained from cloned PCR products are highly similar to modern sequences. The detection of the D genome allele suggests the presence of hexaploid T. aestivum . However, rachis remains from the same site as well as other contemporary sites were identified morphologically as tetraploid naked wheat

    Keywords: wheat, archaeobotany, ancient DNA, PCR, Neolithic, promoter, HMW glutenin
     

  5. Petrucci-Bavaud, Marianne & Jacomet, Stefanie: Zur Interpretation von Nahrungsbeigaben in römerzeitlichen Brandgräbern. EAZ.

  6. Durch den Einbezug von archäobiologischen Analysen bei der Untersuchung römerzeitlicher Brandgräber wird es möglich, Fragen zu Totenritual, Jenseitsglauben, ethnischer Zugehörigkeit, Funktion und Bedeutung der Beigaben sowie Bezug zu Geschlecht, Alter und sozialer Stellung der Verstorbenen sowie regionalen Unterschieden nachzugehen. Ein Beispiel aus einem Brandgräberfeld in Augusta Raurica (Nordwestschweiz) soll zeigen, wie eine ganzheitliche Untersuchung und Verknüpfung der traditionellen archäologischen Funde mit den naturwissenschaftlichen Ergebnissen aussehen kann und welche Aussagen möglich sind. Es werden auch methodische Probleme angesprochen, die vor allem die Bergung der Funde und die Aufbereitung des untersuchten Materials betreffen. Durch eine Zusammenstellung aller halbwegs zugänglichen archäobotanischen Funde aus Brandgräbern wird klar, dass der Forschungsstand auf diesem Gebiet sehr mangelhaft ist und wie wichtig es wäre, diese Lücken zu füllen. Dies ist jedoch nur möglich, wenn eine Zusammenarbeit zwischen den Archäologen, Archäobiologen und Anthropologen stattfindet und die Gräber einer systematischen Untersuchung unterzogen werden.
     

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    1997

  7. Akeret Örni and Jacomet Stefanie (1997): Analysis of plant macrofossils in goat/sheep faeces from the Neolithic lake shore settlement of Horgen Scheller - an indication of prehistoric transhumance? Vegetation History and Archaeobotany 6, 235-239.

  8. 213 goat or sheep faeces from the Neolithic lake shore settlement of Horgen Scheller (Switzerland) were analysed for plant macrofossils. Only 51 (24%) of them contained identifiable remains. The most frequent finds were prickles of Rosaceae, probably blackberry (Rubus fruticocus s.l.). This is interpreted as food that was grazed from hedges, woodland edges or clearings in winter or spring. Faeces from summer or autumn are apparently not present. Explanations for this are discussed, among which trans-humance seems most probable.

    Key words: Food of domesticated animals - Ovicapridae - Faeces - Macrofossils - Neolithic

  9. Brombacher, Christoph (1997): Archaeobotanical investigations of Late Neolithic lakeshore settlements (Lake Biel, Switzerland). Vegetation History and Archaeobotany 6, 167-186.

  10. This paper describes the results of archaeobotanical examination of four late neolithic lakeshore settlements on lake Biel in Switzerland. Due to the excellent preservation conditions in lakeshore settlements, non-carbonized as well as carbonized seeds and fruits were recovered in large numbers. In addition to the diaspore analyses, some samples of charcoal and moss were identified. The spectrum of cultivated plants was markedly different between the sites. In the transition from the 34th to 33rd century B.C. (sites Nidau, Lüscherz and Lattrigen 'VI') naked wheat and barley were predominant, while in the 32nd century B.C. (Lattrigen 'VII') prevalence of emmer (a glume wheat) was noted. Flax and opium poppy were of great importance during the whole late neolithic period. In addition to cereals, a large number of cereal weeds were detected. The wild flora included a high percentage of water and lake-shore plants which results from the strong influence of water on the cultural layers. Taxa of flood-plain forest are also common. The proportion of potential grassland species was low (in total only 13 taxa) which suggests that in addition to the cultivated fields only few pastures and grassland areas existed close to the settlements.

    Key words: Plant macrofossils - Lakeshore settlements - Late Neolithic - Switzerland

  11. Brombacher Christoph, Jacomet Stefanie & Kühn Marlu (1997): Mittelalterliche Kulturpflanzen aus der Schweiz und Lichtenstein: eine Übersicht der archäobotanischen Nachweise. Papers of the 'Medieval Europe Brugge 1997' Conference, Vol 9, 95-111.

  12. An overview of archaeobotanical finds of cultivated plants in medieval Switzerland and Liechtenstein.
    The plant macrofoossils from 30 archaeological sites from Switzerland and Liechtenstein representing the early, high and late medieval periods show that cereal cultivation did not differ among periods. Spelt, barley, rye, oats and common millet were the most important crops and einkorn was also present. In contrast, the increasing spectrum of vegetable, fruit and nut-tree remains from the high medieval period onwards points to the development of gardens and orchards. We found no evidence of 'exotic' cultivated plants.
     
  13. Erny-Rodmann Christiane, Gross-Klee Eduard, Haas Jean Nicolas, Jacomet Stefanie & Zoller Heinrich (1997): Früher 'human impact' im Übergangsbereich Spätmesolithikum-Frühneolithikum im schweizerischen Mittelland. JbSGUF 80, 27-56.

  14. New palynological evidence shows that the beginning of cereal use in central Europe probably started during the transition from the Boreal to Older Atlantic period in the region of Lake Zürich (Switzerland). This is about 2000 years before the first Neolithic lake dwellings there, and much earlier than previously reported. The pollen profiles of Wallisellen- Langachermoos and Zürich-Mozartstrasse reveal several phases of human impact between 6500 and 4500 BC cal. Pollen of cereals and of plants showing small-scale forest openings - possibly related to fire events - hint to a society of forager-farmers. We propose to connect these communities to the Late-Mesolithic, Early Neolithic (La Hoguette) and Middle Neolithic cultures of central Swiss Plateau. For the areas belonging to the zone of western mediterranean neolithisation we therefore have to reject the idea of a Neolithic revolution and 'landnam' by farmers. The neolithisation of the central Swiss Plateau was more probably a long-lasting process of subsequent and discontinuous acculturation of the local, Late-Mesolithic population. Neolithic elements such as the use of cereals were quickly distributed among them. Our results obtained from palynological and archaeological studies give new aspects for the process of neolithisation on the Swiss Plateau and in central and western Europe in general.
     

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    1996

  15. Petrucci-Bavaud, Marianne & Jacomet, Stefanie (1996), Die Ergebnisse der archäobotanischen Untersuchung des "Humushorizontes" von Raum C1. In: Hufschmid, Thomas, Kastelen 3: Die Jüngeren Steinbauten in den Insulae 1 und 2 von Augusta Raurica. Forschungen in Augst 23, 191-209.

  16. Aus dem sogenannten "Humushorizont" der Insula 2 (Augusta Raurica, Schweiz, 150-250 n.Chr.) wurden insgesamt drei Sedimentproben archäobotanisch untersucht. Es kamen verkohlte, mineralisierte und unverkohlte Reste zum Vorschein. Die Funddichte war gering (13 Funde pro Liter). Die beprobte Fläche gehörte zu einem Innen- resp. Hinterhof. Zwei der Proben enthielten fast nur verkohlte Makroreste, während sich mineralisierte Diasporen auf eine dritte Probe im zentralen Bereich des Hofes konzentrierten. Es kamen v.a. Kulturpflanzen und Grünlandarten zu Tage. Bei den Kulturpflanzen handelt es sich um verschiedene Getreidearten: Emmer (Triticum dicoccon), Dinkel (Triticum spelta, unsicherer Nachweis), Gerste (Hordeum vulgare), Hafer (Avena spec., möglicherweise aber Wildhafer) und Rispenhirse (Panicum miliaceum) sowie Linse (Lens culinaris) und vermutlich Kohl (Brassica spec.). Bei den Grünlandarten könnte es sich um Reste von Heu handeln, das im Haus, z.B. als Anfeuerungs-, Isolations- oder auch als Stopfmaterial für Matratzen und Kissen, verwendet wurde. Sie könnten aber auch u.a. von Mottfeuern im Garten herrühren, die archäologisch allerdings kaum nachweisbar sind. Das Artenspektrum lässt auf Grünland in der Umgebung der Stadt schliessen, das, zeitlich verschoben, als Wiese und Weide genutzt wurde. Möglicherweise haben wir es aber auch zum Teil mit Ackerunkräutern zu tun, die mit der Ernte in die Siedlung gelangten.
    Der Zustand v.a. der mineralisierten Pflanzenreste deutet auf Material hin, das nicht primär, sondern sekundär mit den Füllschichten eingelagert wurde. Am wahrscheinlichsten scheint eine Nutzung des Hinterhofes in Form eines Rasens, der gedüngt wurde. Herdasche könnte ebenfalls zwecks Düngung verstreut worden sein. Möglicherweise existierte auch zeitweise ein Abfallhaufen im zentralen Hofteil.

    Summary
    Three archaeobotanical samples from an excavation in insula 2, a site located in the Roman town Augusta Raurica (Kanton Basellandschaft) in Switzerland were analysed. The material is dated between 150 and 250 AD (Jüngere Steinbauperiode, Roman period) and contained carbonised, mineralised and uncarbonised plant remains. The density of the seeds in the sediments was low (13 seeds per litre). The investigated area belonged to a court- or backyard. Two samples were taken from the northern part of the excavated area and contained mainly carbonised seeds. The third sample, which contained many mineralised plant remains was taken in the central part of the yard. Many cultivated plants and grassland species were present. The following food plants could be found: emmer wheat (Triticum dicoccon), probably spelt wheat (Triticum spelta), barley (Hordeum vulgare), oats (Avena spec., perhaps wild oats), common millet (Panicum miliaceum), lentils (Lens culinaris) and probably cabbage (Brassica spec.). The hay remains might originate from the use in the house for kindling, as insulating material or for matress and cushions. They can also be residues from fire in the backyard to remove gardenwaste. The spectrum of the species shows that grassland must have existed in the environments. The presence of both good grass-fodder plants and species characteristic of trampled areas suggests that the fields may have been used twice a year: once in spring as pasture, and again in the late summer to cut hay for the winter. On the other hand it is very probable that at least some grassland species have grown on the fields as arable weeds and were brought in together with the harvest.
    The archaeological results show that the soil in the backyard probably was filled in secondary with material from other parts of the town. It contained many archaeological finds on ceramical fragments. The poor preserved seeds and the mineralised plant remains point out that they were brought in on the same way. It is most likely that a lawn which was manured by agricultural waste was hold in the backyard. Ash from a fireplace in Insula 2 could have been scattered for the purpose of manuring, too. At times a midden could have existed as well in the central part.
     

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