Geschichte des Studienfaches "Ur- und Frühgeschichte" an der Universität Basel
 
 
1932 habilitierte sich Rudolf Laur-Belart (1898-1972), damals Assistent am Historischen Museum Basel, als erster Dozent für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Basel; 1941 wurde er hier zum ausserordentlichen Professor ernannt. Zwar wurde das Fach stets nebenamtlich von ihm betreut, doch konnte am 13. Februar 1962 auch formell ein "Seminar für Ur- und Frühgeschichte" gegründet werden. Als erster vollamtlicher Ordinarius wurde 1968 Ludwig R. Berger (Habil. 1962 in Basel) auf den Lehrstuhl berufen, der zuvor als erster hauptamtlicher Kantonsarchäologe von Basel-Stadt sowie als Grabungsleiter in Augst tätig war. Ihm folgte 1999 Frank Siegmund (Habil. 1996 in Göttingen). Das Seminar ist Mitglied der Philosophisch-Historischen Fakultät der Universität Basel, Dept. Altertumswissenschaften und Orientalistik.

Das zweite Standbein der Ur- und Frühgeschichte in Basel entstand über die Habilitation von Elisabeth Schmid (1912-1994) im Jahre 1951. 1953 gründete sie in Basel ein "Laboratorium für Urgeschichte". Der Schwerpunkt der Forschungen von Frau Schmid lag in den älteren Epochen der Ur- und Frühgeschichte (in erster Linie Altsteinzeit, altsteinzeitliche Kunst), und vor allem in der Anwendung naturwissenschaftlicher Methoden (Geologie, Biologie: insbesondre Tierknochen). Als Nachfolger von Frau Schmid wurde 1981 Jean-Marie Le Tensorer (Habil. 1979 in Bordeaux) berufen. Nachfolgeinstitution des "Laboratoriums" ist das "Institut für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA)", das 2003 gegründet wurde. Das IPNA gehört wie schon damals das Laboratorium für Urgeschichte zur Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel und ist dem Departement für Umweltwissenschaften angegliedert.

Am 24. Mai 1984 bezogen sowohl „Seminar“ als auch das damalige „Labor“ (jetzt als „Ältere und Naturwissenschaftliche Abteilung“ des Seminars) das Domizil des Seminars am Petersgraben 11. 1998 konnte eine dritte Abteilung, die "Archäobiologie", vor allem dank eines privaten Fonds fest etabliert werden. Hier vertreten Stefanie Jacomet (Habil. 1987 in Basel) die Archäobotanik und Jörg Schibler (Habil. 1988 in Basel) die Archäozoologie.
Das Wachstum des Seminars führte zu einer drängenden Raumnot. Im Jahr 2003 stellte uns die Universität das Gebäude Spalenring 145 zur Verfügung. Die im Botanischen Institut ausgelagerte Archäobotanik, dazu vom Petersgraben die Archäozoologie, die Geoarchäologie und die ältere Urgeschichte zogen an den Spalenring. Dies führte zur Gründung des Institutes für Prähistorische und Naturwissenschaftliche Archäologie (IPNA). Die zur Phil.-Hist. Fakultät gehörenden Bereiche mit Ur- und Frühgeschichte und der Vindonissa-Professur (Archäologie der römischen Provinzen) sind seit August 2010 im Rosshof am Petersgraben 51 untergebracht, zusammen mit den anderen Disziplinen der Altertumswissenschaften.

Im Rahmen des Studiums PNA bzw. Ur- und Frühgeschichte arbeiten die beiden Institute IPNA und UFG eng zusammen. Dies führt zu einem breiten, fakultätübergreifend Studienangebot mit vielfältigen Möglichkeiten für die Studierenden.


Literatur zur Seminargeschichte:

Ludwig Berger, Rudolf Laur-Belart (1898-1972) †. Jahrb. SGUF 58, 1974/75, 219. - Ludwig Berger u.a. (Hrsg.), Festschrift Elisabeth Schmid zu ihrem 65. Geburtstag (Basel 1977). - Ludwig Berger, Rudolf Laur-Belart. In: Neue deutsche Biographie 13, 1982. - Ludwig R. Berger, 30 Jahre Jüngere und Provinzialrömische Abteilung des Seminars für Ur- und Frühgeschichte. UniNova 66, 1992, 12. - Renate Ebersbach u.a. (Red.), Mille Fiori. Festschrift für Ludwig Berger zu seinem 65. Geburtstag. Forschungen in Augst 25 (Augst 1998). - Karl Schefold, Rudolf Laur-Belart als Gelehrter. In: E. Schmid / L. Berger / P. Bürgin (Red.), Provincalia. Festschrift für Rudolf Laur-Belart (Basel, Stuttgart 1968) XXVI-XXIX. - Jörg Schibler, Zum Andenken an Frau Prof. Dr. Elisabeth Schmid. Jahrb. SGUF 77, 1994, 227.