Urgeschichte: Paläo-/Mesolithikum

 

 

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Vorstehender der Abteilung:
Prof. Dr. Jean-Marie Le Tensorer

Wissenschaftlicher Mitarbeiter:
Dr. Reto Jagher

DoktorandInnen:
Ingmar Braun
Thomas Hauck
Nicole Reynaud Savioz
Daniel Schuhmann
Fabio Wegmüller
Dorota Wojtczak

Hilfsassistentin:
Ruth Mienert



Forschungsschwerpunkte:
  • Steinzeit in der Schweiz und in den Nachbarländern
  • Paläolithikum im Vorderen Orient
  • Paläolithische Kunst (Wandkunst/ Kleinkunst)



Laufende Projekte in der Schweiz und im Ausland:


Projekte in der Schweiz:


Die Geröllkultur in der Schweiz
J.-M. Le Tensorer


Das Mittelpaläolithikum der Wildkirchli-Höhlen (AI)
J.-M. Le Tensorer, R. Jagher

Neuauswertung der Ausgrabung E. Schmid (1958/59), Untersuchung des lithischen Materials. Im Zentrum dieser neuen Auswertung liegen das Problem des alpinen Paläolithikums und die Diskussion des sogennanten Höhlenbärenkultes. Im Wildkirchli findet sich die Bestätigung, dass die Schichten mit Höhlenbärenknochen und die Schichten mit Menschenspuren zu unterschiedlichen Zeiten entstanden sind: Der Mensch belegte die Höhle im Sommer, während der Bär allenfalls dort die Winterruhe verbrachte. Nach neuesten Untersuchungen kann das alpine Paläolithikum nicht mehr als selbständige Kultur betrachtet werden, sicher aber als Fazies von kurzfristigen Lagerplätzen in Höhenlagen, vielleicht verbunden mit den Aktivitäten einer spezialisierten Jagd.


Das Mittelpaläolithikum der Schweiz, die letzten Neandertaler und das Aufkommen der modernen Menschen in Europa
J.-M. Le Tensorer

Während der Mittelwürmzeit (ca. 40’000-30’000 v. Chr.) finden sich Fundstellen und Reste der letzten Neandertaler im Jura und Alpinen Gebiet. Gleichzeitig sind die ersten Kulturen des Homo sapiens sapiens in den grossen Tälern der deutschen Hochdonau und der französischen Rhône bestätigt. Die möglichen Kontakte zwischen diesen beiden Bevölkerungen und die Frage nach dem Aussterben oder der Assimilation der Neandertaler ist eines der grossen Probleme der aktuellen Forschung. In der Schweiz könnten die letzten Neandertaler Europas eine Art Reliktgruppe gebildet haben. Dieses Problem kann nur mit einer kritischen Synthese der Daten der mittelpaläolithischen Stationen der Schweiz gelöst werden.


Auswertung der mittel- und jungpaläolithischen Fundstellen der Schweiz und der Alpinen Regionen
R. Jagher, J.-M. Le Tensorer

Im Rahmen der Tätigkeit der INQUA Kommission „European Late Pleistocene Isotopic : Stages 2 & 3: Humans, their Ecology & cultural Adaptations“ wurde ein Forschungsprogramm über die systematische  Auswertung der mittel- und jungpaläolithischen Fundstellen der Schweiz und der Alpinen Regionen begonnen. Die ersten Resultate wurden auf dem internationalen INQUA-Kongress in Durban (Süd-Afrika) vorgestellt.


Atlas der paläolithischen und mesolithischen Fundstellen der Schweiz und angrenzender Gebiete
R. Jagher


Le paléolithique ancien et moyen au pied Nord du Jura (Dept. du Haut-Rhin)
R. Jagher gemeinsam mit X. Lack, D. Juppé und E. Jagher-Niederhauser


Roggenburg-Mühle
R. Jagher, E. Jagher-Niederhauser

Technologie eines mittelpaläolithischen Schlagplatzes im Lützeltal.


Altwasserhöhle-1
R. Jagher, M. Fischer, R. Inauen

 Archäologie der spätpaläolithischen und mesolithischen Jäger im Alpsteinmassiv.



Projekte im Ausland:

SYRIEN, EL KOWM :
Gesamtleitung: J.-M. Le Tensorer, S. Muhesen

•  Hummal
Leitung: J.-M. Le Tensorer, S. Muhesen; Grabungsleitung Archäologie: Th. Hauck, D. Wojtczak; Anthropologie: P. Schmid; Archäozoologie: N. Reynaud; Datierungen: D. Richter

Der Nahe Osten als Landbrücke zwischen Afrika, Europa und Asien ist einer der wichtigsten Mosaiksteine auf der Suche nach den Wurzeln der Menschheit. Schon zu einem sehr frühen Zeitpunkt (ab ca. 1,8 Mio. Jahren) nutzte Homo erectus diese Passage auf seiner Auswanderung aus dem afrikanischen Kontinent. Günstige klimatische Bedingungen und eine reiche Tierwelt waren die Vorraussetzung für diese frühen Migrationen, aber auch alle anschliessend erfolgenden Besiedlungen durch den frühen modernen Menschen oder aus Europa abwandernder Neandertaler. Die Spuren dieser Menschen haben sich in zahlreichen Fundstellen in einer für Europa nahezu unvorstellbaren Dichte erhalten. Die sorgfältige Aufdeckung, Konservierung und Untersuchung der archäologischen Hinterlassenschaften aus einer Zeit ab ungefähr 1 Mio. Jahre vor heute bildet daher den Kern unseres Ausgrabungsprojektes in der Region El Kowm (Zentralsyrien). Wir erhoffen uns, neue Daten auf der Suche nach der Herkunft des modernen Menschen zu finden, aber auch seine biologische sowie kulturelle Positionierung gegenüber den späten Homo erecti und den gleichzeitig existierenden Neandertalern erhellen zu können. Seit 1998 werden die beiden Fundstellen Aïn Hummal und Nadaouyieh Aïn Askar im Rahmen des Schweizerischen Nationalfondsprojektes auf diese Fragen hin untersucht.


Nadaouiyeh Aïn Askar
Leitung: J.-M. Le Tensorer, S. Muhesen; Grabungsleiter Archäologie: R. Jagher; Anthropologie: P. Schmid; Archäozoologie: N. Reynaud; Archäobotanik: J. Renault-Miskovsky; Geoarchäologie: Ph. Rentzel, Ch. Pümpin; Datierungen: D. Richter:

Im Herbst 1996 wurde in der Fundstelle Nadaouiyeh Aïn Askar (El Kowm, Zentralsyrien) vom Ausgräberteam des Seminars für Urgeschichte der Universität Basel ein sensationeller Fund gemacht. Es handelt sich um ein menschliches Schädelknochenstück eines Homo erectus. Die Ausgrabungen haben wissenschaftlich bedeutsame Entdeckungen aus 500’000 Jahren zutage gefördert, wie Faustkeile einer erstaunlichen Ästhetik zusammen mit Knochenresten von Gazellen, Antilopen, Wildkamelen, Nashörner, Elefanten...und vom Urmenschen selbst. Diese Reste helfen eine grosse geographische Lücke zwischen Afrika, Asien und Europa zu überbrücken und liefern neue Grundlagen für die Kenntnis der Ausbreitung der Menschheit von ihrer afrikanischen Wiege nach Eurasien. Im Rahmen dieses Projektes laufen zahlreiche weiterführende Bearbeitungen.


Le Paléolithique ancien et les traditions à bifaces dans les steppes de la Syrie centrale
Bearbeiter: R. Jagher



FRANKREICH, ROUCADOUR:

Das Problem des Ursprungs der Kunst
Bearbeiter: J.-M. Le Tensorer, MitarbeiterInnen: I. Braun, H. Le Tensorer, Ch. Pümpin, Ch. Krebs

Die Kunst der Jägervölker ist eines der spannendsten Gebiete der Urgeschichte. Sie umfasst sowohl Wandbilder auf Felsen oder tief in Höhlen als auch Darstellungen auf Objekten des täglichen Gebrauchs. In den letzen Jahren wurden in Frankreich mehrere hervorragende Entdeckungen gemacht, die der Erforschung der Lebensverhältnisse der eiszeitlichen Menschen neuen Auftrieb verleihen. Eine der wichtigsten Fragen der aktuellen Forschung ist: wann in der langen urgeschichtlichen Zeit taucht die Kunst auf? Anhand der Auswertung der letzen Entdeckungen im Paläolithikum Europas und im Vorderen Orient wird eine Antwort auf diese Frage vorgeschlagen. Im Rahmen dieser Forschung haben wir mit Herrn Dr. Michel Lorblanchet die ersten Untersuchungen in der Höhle Roucadour (Dept. Lot, F) begonnen.


Bearbeitung der Funde und Befunde aus der Fundstelle Cassegros (F)
Im Rahmen einer Ausstellung im Musée National de Préhistoire des Eyzies wird die Referenzstation Cassegros neu präsentiert. Die Höhle von Cassegros wurde 1973 entdeckt und während 12 Jahren (1973-1985) unter der Leitung von J.-M. Le Tensorer ausgegraben. Die Auswertung berücksichtigt die chronologischen und kulturellen Aspekte dieses seltenen Altmagdaléniens.



Sammlungen:
• Artefaktsammlung (Altpaläolithikum, Mittelpaläolithikum, Jungpaläolithikum, Mesolithikum, Neolithikum bis Frühgeschichte).
• Lithothek / Rohmaterialen
• Inuit (Artefakte und Objekte)
• Sammlung von Kopien paläolithischer Kleinkunstobjekte

Die Sammlung ist einsehbar von Montag bis Freitag nach Absprache mit Dr. Reto Jagher (Tel. 061 201 02 21).


Ausgrabung:
• Syrien